Verwunschen liegt es da - und verlassen. Seitdem das Arbeitsrecht-Institut der Universität Trier aus dem Schloss in Quint ausgezogen ist, steht es leer. Jammerschade für ein derart schmuckes Anwesen. Doch die Idylle ist bald vorbei. Anfang September werden Künstler die barocken Räumlichkeiten für einen Monat bevölkern oder wohl eher bebildern.
Die von Daniel Schieben initiierte Kooperation acht regionaler und überregionaler Künstler zeigt Fotografien, Collagen, Kohlezeichnungen, Siebdruck-Werke, Lack-auf-Leinwand, Raum- und Videoinstallationen - ein bunter Cocktail künstlerischer Spielarten.
Katalog-Collagen aus KindergartenzeitenDie Arbeiten des Düsseldorfer Arztes Michael Deeken erinnern zunächst an Katalog-Collagen aus Kindergartenzeiten. Das künstlerische Niveau erschließt sich peu à peu. Dargestellte Körperteile scheinen plötzlich ein Eigenleben zu entwickeln - ein Relikt des Anatomiekurses? - Ein mittig zerrissenes Frauen-Portrait mit Blaufiltereffekt mutet wie die Visualisierung der Diagnose "Schizophrenie" an.
Mike Jansen, ebenfalls Düsseldorfer, präsentiert in den Schlossräumen einen gewagten Stilmix aus plastischen Kitsch-Collagen und großflächigen Pop-Art-Gemälden à la Piet Mondrian. Sein Portrait mit Baseballkappe und skeptischem Blick verrät, dass er lieber Kunst macht, anstatt selbst zum Objekt zu werden.
Für Erhellung sorgt Thomas Kleynen. Mit Leuchtkästen illuminiert der Aachener das dunkle Kellergewölbe. Außerdem provoziert er mit seinen Fotografien neue Sichtweisen: "Der Raum wird bei mir ‚auseinander gesetzt', um sich dann zu etwas neuem zusammenzusetzen." So wandelt man als Betrachter seiner Bilder mit einer Art 360 Grad-Rundum-Blick durch Hörsäle und Pinakotheken oder begegnet einem surrealen Akt nur aus interessant arrangierten Arm- und Beinfragmenten. Bodenständiger sind die Kohle-Studien von Sophie Schrader. Die Schwäbin studiert Kommunikationsdesign an der Fachhochschule Trier. Menschen sind das H auptmotiv ihrer Skizzen, denen es mit scheinbar schlichten Mitteln gelingt, die Kraft im ruhenden Körper darzustellen. Besonders eindrucksvoll gelingt dies ihrem Akt einer alten Frau.
Ähnlich, die Bilder ihres Kommilitonen Martin Milev. Der 27-jährige Bulgare arbeitete bereits als Illustrator in Designstudios. Beinahe lupenähnlich wirken seine Werke: Er geht nah heran an sein Motiv. Jede noch so kleine Falte findet sich auf dem Papier wieder und zeichnet Charakterstudien mit Tiefgang, die besonderes Augenmerk auf ausdrucksstarke Gesichter und Hände legen.
Farbenfroh, puristisch oder märchenhaftIn krassem Kontrast dazu stehen die Arbeiten von Dieter Nusbaum. Seine großflächigen und farbenfrohen Werke negieren die Grenzen zwischen Vorder- und Hintergrund. Die häufig figurativen Siebdruckelemente scheinen auf der bunten Leinwandgrundierung zu schweben.
Farbpurismus passt wohl am besten zu den Fotografien von Daniel Schieben. Ausschließlich in Schwarz-Weiß portraitiert er unter anderem Artisten in ihrem persönlichen Umfeld, fasziniert mit edel-erotischen Akt-Aufnahmen und verleiht selbst Alltagssituationen durch seine Perspektive eine völlig neue Note. Beinahe märchenhaft kommen die Fotos von Thomas Tappert daher. Mit Hilfe von Spiegeln und optischen Geräten entführt er den Betrachter in irreale Scheinwelten, die die vertraute Art des Sehens außer Kraft setzen. Spannende Sichtweisen, die die Schlossausstellung verspricht.
Wer sich nicht nur auf seinen Seh-Sinn verlassen möchte, wird in dem Begleitprogramm zur Ausstellung interessante Angebote finden, die sowohl Augen als auch Gaumen stimulieren: 11. September 16 Uhr: "Der Blick hinter das Objektiv", Vortrag zu Dokumentarfotografien
18. September 16 Uhr: "Texte treffen Bilder", eine literarische Promenade durch das Schloss
25. September 18 Uhr: Kunsterlebnisweinprobe (Preis pro Person zwölf Euro)
Kunst-Installationen sollen Aufmerksamkeit und potenzielle Mieter sowie interessierte Künstler anlocken. Image-Pflege ist in allen Bereichen wichtig. Besonders nötig scheinen es derzeit Ladenlokale in der Innenstadt zu haben. Immer zahlreicher und auffälliger werden die Lücken, die verwaiste Verkaufsflächen in das belebte Straßenbild reißen. Ein Problem, das ein neues Kunst-Konzept hervorbrachte: "Street Gallery".
Ausgestorbene Schaufenster werden zu Ausstellungsflächen, die auf Synergieeffekte setzen: Zum einen poliert die künstlerische Gestaltung das ramponierte Image der Räumlichkeiten auf und eröffnet ihr innewohnendes Raumgestaltungspotenzial, zum anderen bieten sie Künstlern ein Forum für Exponate. So kann sogar der Shoppingmarathon zum künstlerischen Erlebnis werden.
Dabei kann die Kunst nicht nur laufend, sondern auch kaufend unterstützt werden. Idealerweise finden nicht nur die Künstler Käufer für ihre Werke, auch für die Ladenfläche sollen langfristig potenzielle Mieter an Land gezogen werden. Derzeit sind zwei Projekte in Trier zu begutachten. Eines in der Treveris-Passage, eines im Hopfengarten 22.
Die Köpfe der "Street Gallery" passen perfekt zu dieser Art der Problemlösung, da beide vom Fach – wenn auch aus unterschiedlichen Bereichen – sind. Daniel Schieben ist als Kaufmann für die Verwaltung von Wohnungseigentum und als ambitionierter Fotograf, der bereits mehrere Ausstellungen in der Region gemacht hat, sowohl für die ökonomische als auch die künstlerische Seite zuständig. Diana Burkhardt beschäftigt sich seit Beginn ihres Architektur-Studiums, das sie gerade erfolgreich abgeschlossen hat, mit Raumplanung und -gestaltung.
Projektinteressierte Künstler oder Eigentümer von Ladenlokalen wenden sich unter der E-Mail-Adresse an: post@daniel-schieben.de
Knallrote Nase auf kalkweißem Gesicht, Sturmfrisur à la Pipi Langstrumpf und kohlschwarz akzentuierte Augenbrauen - die Stereotype sprechen eine eindeutige Sprache: ein Clown ziert das Ausstellungsplakat. Und dennoch. Etwas ist anders. Eine Kleinigkeit erlaubt Einblicke in die Privatsphäre des Dargestellten: Die glimmende Zigarette in der rechten Hand verändert die Vorstellung vom stets spaßigen Zirkusliebling. Plötzlich wirkt sein Gesicht abgespannt, die Augen liegen in Schattenhöhlen, die Magie der Manege weicht dem anstrengenden Arbeitalltag. Wie hart, Schweiß treibend und unstet dieses Leben sein kann, wird ebenso offensichtlich, wie die Passion, die die Akteure trotz allem bei ihrer Arbeit empfinden. Gespannte, von sehnigen Muskelfasern überzogene Körper, die die eigentümlichsten Bewegungsabläufe zustande bringen zeigen weitere Aufnahmen; im Kontrast dazu die Auszeit-Atmosphäre: ein Künstlerklüngel entspannt bei einer Kaffeepause im engen Wohnwagen.
In scheinbar allen erdenklichen Lebenslagen hat der Trierer Daniel Schieben die Artisten im Zirkus und auf der Landesgartenschau mit seiner Kamera eingefangen. Bemerkenswert wie losgelöst die Motive wirken. Sie scheinen das auf sie gerichtete Objektiv völlig vergessen zu haben. Durch Vorgespräche haben sie dem Fotografen ihr Vertrauen entgegengebracht, und ihm so die Perspektive auf Probestress und Privates eröffnet - ungeschminkt und ohne Maske.
Daniel Schieben hat ein Faible für Tradition: Fotografie schreibt er noch mit doppeltem Ph. Griechische Philosophen faszinieren ihn, Farbfotos sind nicht sein Fall, und seine Spiegelreflexkamera ist vom „schneller, kleiner, multifunktioneller“-Trend der Digitalkollegen weit entfernt. Für einen Mann von Mitte Zwanzig scheint dies eher ungewöhnlich. Doch vielleicht ist es genau diese Mischung, die sich in der Fotografie Schiebens widerspiegelt.
Fernab vom weit verbreiteten Zeitraffer-Wahn fängt er Momente ein und verleiht ihnen durch sein Objektiv gewisse Magie. Es scheint, als durchlebe Schieben eine innere Wandlung, sobald er eine Kamera in den Händen hält: Der seriöse „Schreibtischtäter“ (er arbeitet im Immobiliengeschäft) wird zum aufmerksamen Auge. So taucht Daniel Schieben sowohl Reise-Impressionen als auch Portrait-Aufnahmen in gefühlvolle Grautöne und beweist, wie wertvoll genaues Hinsehen sein kann. sw
Gestellte Bilder sind nicht die Welt von Daniel Schieben. Der 23-jährige Fotograf nimmt lieber Eindrücke ins Visier, die das öffentliche Leben in einer Stadt repräsentieren. Unter dem Motto "Im Licht der Straßen" wird er am Freitag, dem 25. Juli ab 18 Uhr feierlich seine Ausstellung in der Geschäftsstelle der Landesgartenschau Trier 2004 GmbH eröffnen. Im Mittelpunkt stehen Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus Trier, Luxemburg und der französischen Partnerstadt Metz sowie aus europäischen Metropolen wie Paris, Malaga oder Frankfurt am Main. Die Fotos werden bis zum 29. August zu bewundern sein.
Der gebürtige Trierer wird mit der Ausstellung ebenfalls sein Faible für Frankreich zeigen. Doch auch die Betrachter seiner Bilder zeigen nach seinen Aussagen am häufigsten ihr Interesse für die Impressionen aus der "Grande Nation". "Es sind meistens das Umfeld, die Gesichter und die Kleidung der fotografierten Menschen, die eine Faszination verbreiten", erklärt der Immobilien-Kaufmann, der seit zehn Jahren in Gassen und Straßen seinem Hobby nachgeht. Sogar Trierer Schaufensterpuppen waren regelmäßig Motive seiner Bilder.
Die meisten der insgesamt ausgestellten 29 Bilder stammen aus diesem Jahr. Eine fachkundige Erleuterung zu seinen Werken gibt der Fotograf aus dem Trierer Stadtteil Kürenz bei der Vernissage in der LGS-Geschäftsstelle in der Sickingenstraße 91, 54296 Trier.
Trostlos sticht das Weiß der Wände in die Augen. Der lange, mit Neonleuchten und braunen Sperrholztüren gepflasterte Flur der Landesgartenschau-Geschäftsstelle wirkt trostlos. "Künstlerischer Leiter" steht auf der Visitenkarte von Karsten Müller. Sein Konzept wechselnder Ausstellungen in dem Gebäude wirkt wie die letzte Rettung. Die Umsetzung allerdings ist nicht optimal. Die sechs vorherigen Ausstellungen haben Spuren hinterlassen. Wie kleine Einschüsse sprenkeln die Nagellöcher die gekalkte Wandfläche. Unvorteilhaft für die stimmungsvollen Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Wer jedoch das Umfeld ignoriert, dem eröffnet sich eine scheinbar neue Welt. Geschickt gewählte Perspektiven lassen alltägliche Szenen in ungewöhnlichem Licht erscheinen. "Im Licht der Straßen", so der Titel der Ausstellung, trifft man erschöpfte Kellner, quirlige Touristen, Maronenverkäufer mit Schlips und alte Angler. Durch die Linse des 23-jährigen Fotografen bekommen sie jedoch ganz besondere Bedeutung.
Vor zehn Jahren hat der Olewiger seine Leidenschaft für die Fotografie entdeckt. Vielleicht ein vererbtes Faible, denn seine Mutter ist Foto-Laborantin. Mit ihrer alten Kamera begab er sich auf die erste Motivsuche. Der Großteil seiner Arbeiten entsteht auf Reisen. Ab und an nutzt er auch Trier als Inspirationsquelle. Welch spannende Lichtverhältnisse ein nächtlicher Stadtbummel bereit hält, zeigt seine Schaufenster-Trilogie. Dass er den Kontrast der schnellen Momentaufnahme ebenso liebt, zeigen dynamische Bilder wie die "Einkaufs-Hektik" und das in einer Plexiglas-Konstruktion aufgestellte Zitat von Rene Burri: "Photos sind wie Taxis zur Hauptverkehrszeit. Ist man nicht schnell genug, bekommt es ein anderer".
Die Ausstellung läuft bis 29. August, werktags von 8 bis 18 Uhr. Anfahrt über Pluwiger-Straße, dann der Umleitung folgen. sw/fcg